Heizungstausch: Produzenten sollen grünere Energieträger liefern
In der Diskussion um ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) legt eine Allianz mehrerer Verbände einen Vorschlag für eine grundlegend andere Logik vor: Künftig sollen nicht mehr vor allem die Verbraucher den stärkeren Einsatz klimafreundlicher flüssiger und gasförmiger Energieträger „ausbaden“ müssen. Stattdessen sollen Hersteller sowie Lieferanten stärker in die Verantwortung rücken.
Der Heizungsmarkt in Deutschland ist nach Angaben der Branche auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren gefallen. Als Ursache wird das derzeitige Gebäudeenergiegesetz (GEG) genannt, das häufig als „Heizungsgesetz“ bezeichnet wird und aus Sicht der Verbände Modernisierungen eher hemmt als fördert. Hintergrund ist die individuelle Pflicht, bei einem Heizungstausch 65 Prozent erneuerbare Energie einzusetzen. Das führe in vielen Fällen dazu, dass Menschen nach der Erneuerung ihrer Heizung mit höheren Energiekosten rechnen müssten als zuvor. Damit gerieten die klimapolitischen Ziele im Gebäudesektor zusätzlich unter Druck.
Genau an diesem Punkt setzt die Verbände-Allianz aus Energieversorgung und Immobilienwirtschaft an. Nach ihrem Konzept sollen nicht Modernisierer von Heizungen sofort hohe Erneuerbaren-Anteile nachweisen müssen. Stattdessen sollen Energieproduzenten und -lieferanten schrittweise mehr klimafreundliche gasförmige oder flüssige Energieträger in den Markt bringen. Eine Quote für erneuerbare Anteile solle zunächst moderat starten und anschließend Jahr für Jahr steigen, damit die Klimaziele im Gebäudebereich erreichbar bleiben.
Modernisieren soll leichter werden – weniger Bürokratie, mehr Sicherheit
Dr. Andreas Stücke, Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Verband Flüssiggas, erklärte dazu, eine Quote für erneuerbare Anteile in gasförmigen und flüssigen Energieträgern würde die Inverkehrbringer verpflichten und damit einen echten Systemwechsel im Wärmerecht ermöglichen. Verlässlicher Klimaschutz solle über eine verbindliche Mindestquote „grüner Moleküle“ im Wärmemarkt organisiert werden – und nicht über komplizierte, kleinteilige Einzelanforderungen für einzelne Haushalte, die ihre Heizung modernisieren.
Dr. Kai Warnecke, Präsident von Haus & Grund Deutschland, machte deutlich, dass Investitionen in die energetische Modernisierung dadurch spürbar attraktiver würden – zumindest bei Gebäuden, bei denen eine vollständig klimaneutrale Wärmeversorgung praktisch nicht umsetzbar sei. Er verwies darauf, dass geringerer Energieverbrauch in der Regel auch die Kosten senke.
Prof. Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer beim Wirtschaftsverband en2x – Fuels und Energie, betonte, der Ansatz könne die bürokratische Komplexität des GEG deutlich verringern und zugleich die Planungssicherheit beim Klimaschutz erhöhen. Er führte aus, erneuerbare Energien würden damit unabhängig davon in den Markt gelangen, wie schnell einzelne Heizungsmodernisierungen vorankämen. In der Gesamtbilanz entspräche die Klimawirkung weiterhin den bestehenden Vorgaben des GEG. Ziel sei also nicht, Klimaschutz abzuschwächen, sondern Sanierungen von Heizungen attraktiver zu machen. Zur Allianz zählen neben den genannten Organisationen auch UNITI und MEW.
Der Vorschlag richtet sich besonders an Gebäude, in denen eine Gas- oder Ölheizung modernisiert werden muss. In vielen Fällen sei es aus finanziellen oder technischen Gründen nicht möglich, vollständig auf Wärmepumpe oder Fernwärme umzusteigen. Deutschlandweit gebe es rund 5,5 Millionen Gebäude mit Öl- oder Flüssiggasheizung; zusätzlich seien etwa 13 Millionen Heizungen an das Gasnetz angeschlossen. Nach Einschätzung der beteiligten Branchenverbände bestehe erhebliches Potenzial, das Angebot an klimafreundlicheren Gas- und Heizöl-Varianten gegenüber dem heutigen Stand deutlich auszuweiten.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von en2x – Wirtschaftsverband Fuels und Energie e.V./Veröffentlicht am 18.02.2026