Urbane Energiewende: Länder fordern gezielte Weiterentwicklung
Auf Anstoß der Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg hat sich die Energieministerkonferenz am 5. Dezember 2025 in Stralsund eindeutig für eine stringente Weiterentwicklung der urbanen Energiewende positioniert. Die Länder machen deutlich, dass der Bund regionale Besonderheiten künftig stärker einbeziehen müsse. Insbesondere wachsende Städte mit hohem Energiebedarf erforderten passgenaue Rahmenbedingungen. Der Beschluss legt den Schwerpunkt auf die Sicherung des positiven Trends beim Ausbau von Photovoltaik auf Dächern, die Weiterentwicklung von Mieterstrom- und gemeinschaftlichen Modellen sowie auf einen leistungsfähigen und sozial ausgewogenen Ausbau der Verteilnetze. Aus Sicht der Hamburger Umwelt- und Energiesenatorin Katharina Fegebank lasse sich durch den kombinierten Einsatz von Wärmepumpen, Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbaren Energien nicht nur klimaneutral heizen, sondern auch die Dekarbonisierung insgesamt deutlich beschleunigen.
Mit dem Beschluss hebt die Energieministerkonferenz die Schlüsselrolle der Großstädte bei der Erreichung der Klimaziele hervor. Urbane Räume bieten aufgrund ihrer Bevölkerungsdichte und Dynamik besondere Voraussetzungen für die Energiewende. Ein erheblicher Teil des Energieverbrauchs konzentriert sich in Städten und ihrem Umland, in denen mehr als 70 Prozent der Menschen in Deutschland leben.
Die Berliner Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe Franziska Giffey macht in diesem Zusammenhang deutlich, dass die Energiewende nicht allein im ländlichen Raum funktionieren dürfe, sondern gerade dort greifen müsse, wo viele Menschen leben und arbeiten. Die urbane Energiewende sei ein zentraler Treiber für Innovation, Beschäftigung und regionale Wertschöpfung. Für Metropolen komme es besonders darauf an, Energie-, Wärme- und Verkehrswende eng miteinander zu verzahnen, um die Lebensqualität langfristig zu sichern.
Dach-Photovoltaik als Schlüssel der urbanen Energiewende
Der Ausbau von Photovoltaikanlagen auf Dächern wird von der Energieministerkonferenz als tragende Säule der urbanen Energiewende und als wichtiger Baustein der Sektorenkopplung bewertet. Dachflächen ermöglichten eine effiziente Nutzung vorhandener Strukturen, dezentrale Stromerzeugung direkt vor Ort und vielfältige Beteiligungsmodelle. Davon profitierten Eigentümerinnen und Eigentümer ebenso wie Gewerbebetriebe, Mieterinnen und Mieter über Mieterstrom- und Gemeinschaftslösungen sowie Bürgerenergieprojekte. Eine besondere Bedeutung komme dabei kleinen Anlagen mit einer Leistung unter 30 kWp zu, da sie den größten Anteil der installierten Photovoltaik ausmachten. Vor diesem Hintergrund sprechen sich die für Energie zuständigen Ministerinnen, Minister und Senatorinnen aller 16 Länder geschlossen dafür aus, eine Einspeisevergütung auch künftig beizubehalten.
Die Bremer Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft Henrike Müller weist darauf hin, dass Solarstrom in Städten für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich bleiben müsse. Dafür seien klare, einfache Regelungen und verlässliche Rahmenbedingungen notwendig, die Unternehmen, Wohnungsbaugesellschaften ebenso wie Bürgerinnen und Bürgern Planungssicherheit geben.
Ausbau der Verteilnetze: Finanzierung und Effizienz im Fokus
Der Beschluss unterstreicht zudem die zentrale Bedeutung leistungsfähiger Energienetze für das Gelingen der Energiewende. Dabei unterscheiden sich die Herausforderungen in Stadt und Land deutlich. Während im ländlichen Raum vor allem die Integration wachsender Stromerzeugungskapazitäten im Vordergrund steht, steigt in Städten der Strombedarf stark an – etwa durch Elektromobilität, elektrische Heizsysteme, neue industrielle Prozesse und den zunehmenden Energiebedarf von Rechenzentren. Um diese Entwicklung zu bewältigen, fordern die Länder ausreichende finanzielle Mittel für den Ausbau und die Modernisierung der Verteilnetze. Notwendig seien insbesondere höhere Netzkapazitäten, um den urbanen Mehrbedarf abzudecken und gleichzeitig erneuerbaren Strom aus dem ländlichen Raum zuverlässig zu transportieren. Voraussetzung dafür sei ein stabiler und sozial ausgewogener regulatorischer Rahmen.
Wärme- und Energieversorgung gemeinsam weiterdenken
Die Länder stellen klar, dass eine erfolgreiche Energiewende über den Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung hinausgeht. Entscheidend seien ebenso die Umgestaltung der Wärmeversorgung, eine höhere Energieeffizienz und die konsequente Stärkung der Sektorenkopplung.
Aus Sicht von Katharina Fegebank entwickelt sich die Wärmeversorgung zunehmend strombasiert. Der Einsatz von Wärmepumpen, Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbaren Energien ermögliche klimaneutrales Heizen und unterstütze gleichzeitig die Dekarbonisierung. Dafür müsse der Bund verlässliche Leitplanken setzen, insbesondere durch die konsequente Weiterführung der Anforderungen im Gebäudeenergiegesetz und durch attraktive Förderbedingungen, damit die Wärmewende für Verbraucherinnen und Verbraucher bezahlbar bleibe.
Gerade in Städten wird Wärme immer häufiger über Stromnetze bereitgestellt, etwa durch Großwärmepumpen oder KWK-Anlagen. Diese übernehmen dort eine Doppelfunktion, indem sie sowohl die Wärmeversorgung sichern als auch einen relevanten Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Die Energieministerkonferenz fordert die Bundesregierung daher auf, die Bedeutung der Kraft-Wärme-Kopplung für beide Sektoren bei künftigen energiepolitischen Entscheidungen angemessen zu berücksichtigen.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Stadt Hamburg/Veröffentlicht am 05.12.2025